Verband der Auslandspresse in Wien

"Wir dürfen keine Agnst haben"

Am Rande des Mediengipfels in Lech hat die Medienakademie Gelegenheit gehabt, mit dem CEO von Telekom Austria ein Hintergrundgespräch zu führen. Alejandro Plater plädiert für Optimismus im Umgang mit der digitalen Disruption.

von Pascale Senn, Marco Leuenberger und Philip Bauer

Alejandro Plater ist ein Mann der Innovationen, der Ideen. Einer der weiterdenkt und optimistisch in die digitale Zukunft blickt. Er sieht Möglichkeiten im verbesserten Zugang zu Bildung, Chancen zu einfacherer Kommunikation und grösserer Effizienz.

Dem CEO von Telekom Austria ist klar, dass sich viel verändern wird. Risiken sieht er aber wenige. Er zählt auf den gesunden Menschenverstand: Wir können nach wie vor selbst auswählen, was wir teilen wollen. „Die Algorhythmen fragen den Benutzer, ob und was sie teilen wollen.“ Gleichzeitig spricht Plater aber auch davon, dass uns Facebook nach 300 Likes besser kennt als unser Partner. Oder dass Google weiss, was wir wollen, bevor wir uns selbst bewusst sind, dass wir etwas wollen.

Plater ist innovativ – aber er argumentiert auch sehr einseitig. Er beschränkt sich auf die wirtschaftliche Seite der digitalen Veränderungen. Spricht von Möglichkeiten und Chancen für die Privatwirtschaft und die einzelnen Personen. Er sagt von sich selbst, er sei kein Politiker. Und kümmert sich wenig um Regelungen und Risiken; er blendet die politische Sicht mehrheitlich aus und ist der Meinung, dass man die neusten Entwicklungen nicht regulieren kann. „Die in Brüssel denken, dass man die digitale Zukunft regulieren kann. Aber das geht nicht, die Entwicklungen sind viel zu schnell für Regelungen.“

Aber dennoch: Er ist ein „Weiter-Denker“. Und einer der einzigen, der sich in Lech für die Chancen und Möglichkeiten der Zukunft ausspricht und sie nicht nur kritisiert und analysiert. Plater vertritt die Auffassung, dass man kommende Probleme nicht einfach mit Kritik lösen kann. Er umarmt die Veränderungen, die auf uns zukommen, und er wischt die Zweifel und Bedenken weg: „Wir können nicht wissen, was alles auf uns zukommt. Aber wir dürfen keine Angst haben – sonst sind wir gelähmt.“

"Abseits vom Trubel über Politik nachdenken"

Lechs Tourismus ist fest in Tiroler Hand. Hermann Fercher über die neue Skigebietsverbindung des Nobelskiorts mit St. Anton und PR-Gags.

Von Theresa Kirchmair

Lech – Seine Aufgabe ist es, den Tourismus des Nobelskiorts zu managen. In Anbetracht der Nächtigungszahlen nicht wirklich ein Krisenjob. Mehr Geduld braucht Fercher, der davor in Kitzbühel und bei Swarovski tätig war, wenn er auf Heimaturlaub in Hall ist. Den Tirolern klarzumachen, dass Lech in Vorarlberg liegt, sei gar nicht so einfach, erzählt er. Dass es nun auch eine Liftverbindung nach Tirol gibt, dürfte seine Aufklärungsarbeit nicht vereinfachen.

Tiroler Tageszeitung: Lech-Zürs war immer stolz, ein exklusives Skigebiet zu sein. Nun gibt es eine Verbindung nach St. Anton-warum ist man plötzlich zum Gebietszusammenschluss bereit?

Hermann Fercher: Ganz einfach, die St. Antoner mussten unterschreiben, dass wir unsere Limitierungsgrenzen behalten dürfen.

TT: Was bedeutet das?

Fercher: Bei einer Zahl von 14.000 Tageseintritten fällt der Schranken runter, in St. Anton blinkt ein rotes Licht auf und dann kommen die Leute nur noch bis St. Christoph, weil Lech voll ist.

TT: Insgesamt sind also maximal 14.000 Tagesgäste in Lech?

Fercher: Es sind wahrscheinlich mehr, aber wir wissen ja, dass Lech-Zürs alleine mehr vertragen kann, locker 25.000 bis 30.000 Skifahrer. Nur wollen wir unseren Gästen klar signalisieren, dass es bei uns keine überfüllten Pisten und Schlangen an den Liften gibt.

TT: Warum war man dann überhaupt für den Zusammenschluss?

Fercher: Die Hütten-und die Berggastronomie und Lech selbst können teils auch mehr Geschäft vertragen. Wir erhoffen uns eine bessere Auslastung in der Nebensaison, gerade im gastronomischen Bereich. Im Beherbergungsbereich ist es nicht so ein Thema.

TT: Könnte man mit einer Konzentrierung auf exklusive Gäste heutzutage noch die Betten füllen?

Fercher: Ich denke, über Eliten zu sprechen ist ganz heikel. Man sieht ja in der Politik, wie sich das rächt. Genauso würde es sich im Marketing rächen, wenn wir sagen, wir sind ein St. Moritz. Unsere Exklusivität ergibt sich dadurch, dass die Zahl der Betten seit 30 Jahren gleich geblieben ist. Links und rechts ist rote Zone, da geht gar nicht mehr.

TT: Lech richtet den Mediengipfel jetzt schon zum zehnten Mal aus. Warum findet er gerade hier statt?

Fercher: Stefan Kröll von promedia hat damals ein Refugium gesucht, wo man abseits des Trubels über das Verhältnis zwischen Politik und Medien nachdenken kann.

TT: Was hat Lech von einem so großen Event?

Fercher: Es gibt zwei klare Benefits: Zum einen zahlt die Veranstaltung in die Marke Lech-Zürs ein, die sich als Denk-und Bewegungsort versteht. Zum anderen bringt er uns in die komfortable Lage, mit führenden Meinungsmachern unter Journalisten und Politikern zusammenzutreffen. Letztlich wird sehr viel über Lech berichtet, nicht nur in Printmedien, sondern auch über Social-Media-Kanäle. Es geht nicht vordergründig darum, Betten zu füllen und billige PR zu kriegen. Es geht um die Vielfalt der Marke Lech.

TT: Was sagt man in Lech dann zum Seefelder PR-Gag der verirrten Pistenraupe?

Fercher: Über die Aktionen von Mitbewerbern zu sprechen ist schwierig, aber Seefeld ist wie Lech-Zürs ein Mitglied von Best of the Alps. Jeder von uns hat wohl schon mal einen Werbegag gemacht. Aber es gibt eine Regel, die ich nicht gebrochen hätte: Wenn ein seriöser Journalist anfragt, ob das echt ist oder nicht, dann muss ich Farbe bekennen.

TT: Hat dadurch die Glaubwürdigkeit gelitten?

Fercher: Ja, das ist die ganz große Gefahr dabei.

TT: Ist ein Schaden für die Branche entstanden?

Fercher: Das würde ich so nicht sagen. Aber in nächster Zeit wird wohl von witzigen PR-Aktionen eher einmal Abstand genommen werden.

 

(Tiroler Tageszeitung vom 2. Dezember 2016, Seite 10)